Geschichte des Wing Tsun


1636 sahen die Mandschu, ein Nomadenvolk, das im Norden der Großen Mauer unweit der Grenze Koreas lebte, ihre Chance und eroberten Peking. In den folgenden 40 Jahren festigte ihre Qing-Dynastie ihre Herrschaft über ganz China, dessen Grenzen sie deutlich erweiterten. Die Han-Chinesen wurden gezwungen, sich als Zeichen der Unterwerfung die vordere Hälfte des Kopfes zu scheren und das übrige Haar zu einem Zopf zu flechten nach dem Motto „Verlier deine Haare oder verliere deinen Kopf“.


Zu den zahlreichen Opfern der brutalen Repressionen zählte auch die wohlhabende Familie der 18-jährigen Ng Mui, die sich als Einzige vor den Mördern der Mandschu in die Wildnis retten konnte. Dort soll sie ausgiebig das Jagdverhalten der Tiere studiert haben. Vom einbeinig stehenden Kranich etwa lernte sie, dass ein stabiler Tritt die ideale Grundlage einer Kampfposition ist.


Schließlich schlug sich Ng Mui bis zu einem Kloster im tiefen Süden durch, etwa 1500 Kilometer von Peking entfernt. Dort hatten sich buddhistische Mönche niedergelassen, die sich den Lehren des indischen Wandermönchs Bodhidharma verpflichtet fühlten; sie waren besser bekannt als Shaolin. Sie hielten weiterhin zu den Ming und trainierten sich in zahlreichen Kampftechniken. Sie waren bereit, die Flüchtige an ihren Übungen teilhaben zu lassen.


Dort verband Ng Mui die Techniken der Shaolin mit den Erfahrungen, die sie auf ihrer Flucht und zuvor während der klassischen Ausbildung gemacht hatte, zu der wohl auch Reiten, Bogenschießen und Schwertkampf gehörten. Als Antwort auf die Frage, wie ein körperlich unterlegener Kämpfer sich gegen einen überlegenen Feind zur Wehr setzen kann, erkannte sie die Wirkung schneller, präziser Schläge: Bekämpfe nie Kraft mit Kraft. Ein Beispiel: Wenn dich jemand an der Kehle packt, verteidige sie nicht, sondern attackiere den Gegner sofort an Nase, Augen, Schläfe oder Kehle.


Der instinktive und wenn möglich tödliche Schlag mit der Hand wurde zu Ng Muis Markenzeichen. Mit der Kung-Fu-Choreografie nach Hollywoodart hatte das wenig zu tun. Statt kraftraubender Sprünge und ausladender Bewegungen setzte die Chinesin auf temporeiche, gezielte Angriffe, die umgehend Wirkung erzielen sollten. Dabei versuchte sie stets, sich der Energie des Angreifers zu bedienen und diese gegen ihn zu wenden. Der chinesische Kommunistenführer Mao Tse-tung sollte das Prinzip 300 Jahre später auf seine Guerillastrategie übertragen: Der Angriff des Feindes erzeugt meine Kraft.


Nach einem Sieg über ihren Trainer wurde Ng Mui in den Kreis der Meister des Klosters aufgenommen. Doch plötzlich standen die Mandschu vor den Toren. Der Legende nach soll kein Geringerer als der Mandschu-Kaiser Kangxi höchstpersönlich den Angriff auf das Shaolin-Kloster befohlen haben, weil er die Kampfkraft der Mönche fürchtete. Durch ein Feuer, das ein Verräter gelegt hatte, gelangten die Truppen in den Bereich der Festung, wo sich die meisten Shaolin opferten, um ihren Meistern die Flucht zu ermöglichen.


Ng Mui konnte entkommen und entwickelte ihre Kampftechnik weiter, nicht nur mit der Hand, sondern auch mit Schwert, Speer und Schlagstock. Um zu verhindern, dass die übermächtigen Mandschu sich in den Besitz dieser geheimen Waffe setzten, verfasste sie keine Aufzeichnungen, sondern beschloss, ihr Wissen nur einem absolut loyalen Schüler zu vermitteln. Den fand sie in dem Mädchen Yim Wing-chun, wie sie ein Flüchtling vor den Mandschu. Mit ihr begann die lange Linie der Kämpfer, die Ng Muis Vermächtnis weitertrugen. Und daher trägt die Technik, die diese entwickelte, ihren Namen.



Quelle: https://www.welt.de/geschichte/article160307196/Eine-Nonne-erfand-die-toedlichste-Kampfkunst.html

Entstehung von Wing Tsun Core


Wing Tsun (auch Wing Chun geschrieben) ist eine ca. 250 Jahre alte Kampfkunst aus China mit Einflüssen aus Thai-Boxen, Tai Chi und Hung Gar KungFu. Das Kampfsystem hat seine besonderen Stärken in der Gleichzeitigkeit von Abwehr und Gegenangriff, raffinierten Übungen für den Nahkampf und der Effizienz der Techniken im Allgemeinen. Im Unterschied zum Kampfsport gibt es beim WT keine einschränkenden Regeln oder Wettkämpfe.


Klassisches WingTsun ist jedoch geprägt von überholten traditionellen Trainingsmethoden, wie der übermäßigen Fokussierung auf die teilweise sehr komplexen Gefühlsübungen (im WT nennt man diese Übungen Chi Sao) und den sogenannten Formen (partnerlose Bewegungssequenzen ähnlich den Katas im Karate).


Im Gegensatz dazu hatten die Schulleiter von Wing Tsun Core im Laufe ihrer Kampfkunstkarriere das Glück, mit vielen Vertretern anderer Kampsysteme, wie z.B. Systema, Weng Chun, Krav Maga, Kapap, Karate, Thai Boxen, Defencelab, Luta Livre, Ju Jutsu, zusammen zu kommen und teilweise regelmäßigen Erfahrungsaustausch zu betreiben.


Die Quintessenz aus diesen Begegnungen war für sie, dass die Techniken für ein realistisches Kampfsystem nicht so entscheidend sind wie die Art des Trainings. Vor diesem Hintergrund haben wir im  Wing Tsun Core den Anspruch, die Schüler bestmöglich für bedrohliche Situationen auf der Strasse vorzubereiten. Mit ausgefeilten Übungsmethoden werden ihnen effektivste WingTsun-Techniken an die Hand gegeben, damit sie den Ernstfall weitgehend unbeschadet überleben. Das Training findet trotzdem in angstfreier Atmosphäre statt, macht Spaß und erhöht zudem noch die persönliche Fitness.

Yip Man, *01.10.1983 ,+ 02.12.1972, Großmeister des Wing Tsun und Lehrer von Bruce Lee


Siehe auch

https://de.wikipedia.org/wiki/Yip_Man